We should all be feminists

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Wenn ein Thema gerade die Modebranche revolutioniert dann ist es Feminismus. Mein Instagram Feed zeigt mir ein Shirt nach dem Anderem, dass eine feministische Botschaft verficht. Dior´s „We should all be feminists“, das „rose tits tee“ und das Uterus-Shirt liefern sich einen Wettstreit um meine Aufmerksamkeit. Ich schenke sie ihnen und widme ihnen sogar diesen Blogartikel. Dabei habe ich mich nie als Feministin gesehen.

Auch jetzt noch hat das Wort für mich einen negativen Beigeschmack. Als Feministinnen habe ich immer eher eine bestimmte Art von Frauen gesehen. Männer-Hasserinnen oder Kampf-Lesben um direkt mal die schlimmsten Bezeichnungen rauszuhauen. Ich möchte niemandem damit zu nahe treten oder persönlich angreifen und bin ganz bestimmt nicht homophob! Bitte versteht mich nicht falsch! Wie wahrscheinlich viele Menschen hatte auch ich einfach Vorurteile, die mit dem Begriff Feministin einhergehen und von einer Unterkategorie auf die Allgemeinheit geschlossen. Gut, ich überspitze es die ganze Zeit, aber Feminismus hatte für mich immer einen Beiklang von „Männer sind die Unterdrücker der Frau und wir brauchen einen radikalen Umbruch! Runter mit den Männern, Frauen an die Macht!“ Ich hoffe ihr wisst, was ich meine und nehmt mich nicht zu ernst. 😉

Klingt es komisch, wenn ich sage, dass diese T-Shirts mich zum Nachdenken anregen? Dass diese übertriebenen Vorstellungen von Feministinnen nicht durch die Reihe weg der Realität entsprechen ist mir schon immer klar gewesen. Aber als realistisches Bild einer Feministin stellte ich mir immer Miranda Hobbes aus SATC vor. Sie ist weder radikal noch Männer-Hasserin, aber erschien mir immer etwas zu emanzipiert. Emanzipation schön und gut, aber mir kommt es immer so vor als würde Miranda zwanghaft jeden weiblichen Zug an sich ablehnen um ihn gegen Männlichkeit einzutauschen. Zynismus und Karrieregeilheit inklusive. Vielleicht würde ich ihr Verhalten inzwischen anders wahrnehmen, aber das ist das, was von sechs Staffeln, 94 Episoden und zwei Filmen hängen geblieben ist. Falls es bisher noch nicht offensichtlich genug war: Ich bin nicht der größte Miranda-Fan.

So wenig wie ich mit Miranda gemein hab, so wenig hätte ich mich als Feministin bezeichnet. Ich wär auch nie auf die Idee gekommen mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aber diese Shirts bringen mich nun dazu, meine Vorstellungen von Feminismus zu hinterfragen.

Feminismus bedeutet doch letztendlich nur Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung von Frauen sowie das Ende aller Formen von Sexismus. Muss Gleichberechtigung und Gleichstellung bedeuten, dass wir unsere femininen Züge gegen ein männlicheres Auftreten eintauschen? Können wir nur im Hosenanzug die Karriereleiter emporklettern, da uns sonst unsere männlichen Kollegen unter den Rock gucken?

Ich bin gerne feminin. Ich liebe es, Kleider und Röcke zu tragen und ich fühle mich gerne weiblich. Kleider, Make-up und Lingerie. Verstoße ich gegen die feministischen Gedanken, weil ich meine Weiblichkeit unterstreiche und somit den Männern gefallen könnte?

Ist es anti-feministisch von Männern als Frau wahrgenommen und begehrt zu werden und – Gott bewahre – auch noch Gefallen daran zu haben? Wenn ihr diese Fragen mit ja beantwortet, bin ich keine Feministin und werde es auch niemals sein.

Aber dann frage ich mich, sollte Feminismus nicht Frauen feiern? Wir müssen uns doch nicht für unsere Weiblichkeit schämen oder sie als Makel ansehen. Feminismus sollte bedeuten, Frauen zu unterstützen. Gleiche Rechte zu schaffen und vor allem Selbstbestimmung. Eine Frau sollte weder dafür verurteilt werden Karriereziele zu verfolgen, noch dafür, für die Kindererziehung zuhause bleiben zu wollen.

…Feminist is a recurring word for #MariaGraziaChiuri. #DiorSS17 #PFWSS17

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J’ADIOR Maria Grazia Chiuri!

Ihr Debut mit der Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2017 für Dior war ein politisches Statement. Sie zeigte nicht nur, dass Mode soviel mehr ist, als nur Oberflächlichkeiten. Nein, sie zeigte auch, dass Feminismus sehr vielschichtig sein kann und darf. Das We should all be feminists Shirt mag das größte Statement sein, aber die Kombination mit einem floralen Tüllrock und Sneaker, zeigt Weiblichkeit in verschiedensten Facetten. Die ganze Kollektion war von Feminismus geprägt. Feminismus in Form von Anzügen, aber auch in schwingenden Kleidern. Plattform-Sneaker zu Transparenz #freethenipple. Chiuris Botschaft ist so richtig!

 

We should all be feminists!

Indem wir Frauen, Frauen sein lassen. Indem wir ihnen die gleichen Freiheiten und Rechte geben wie Männern. Indem wir weder die Frau verurteilen, die sich die Tür aufhalten lässt, noch die, die sie schreinert oder anmontiert. Eine Frau sollte selber entscheiden können, was Feminismus für sie bedeutet. Nur weil eine Frau ihre Weiblichkeit betont bedeutet das noch lange nicht, dass sie keine Feministin sein kann.

Ja, wir alle sollten Feministinnen sein. Aber wenn wir das sind, dürfen wir auf keinen Fall die Frauen verurteilen, die Feminismus anders leben als wir es tun.

Feminismus bedeutet nicht, dass wir die Hosen anhaben müssen, sondern entscheiden zu können wann und für wen wir sie ausziehen.

We should all be feminists


If a theme revolutionizes the fashion sector at the moment then it is feminism. My Instagram Feed shows me a shirt, after the other, that shows a feminist message. Dior’s „We should all be feminists“, the „rose tits tee“ and the uterus shirt run a contest for my attention. I give it to them and even give them this blog article. Even if I have never seen myself as a feminist.

Even now the word has a negative taste for me. As feminists, I have always seen a certain type of women. Men-hateresses or fight-lesbians to get rid of the worst names. I do not want to attack anybody and I’m certainly not homophobic! Please do not misunderstand me! Like probably many people, I had prejudices that were associated with the term feminist and closed from a subcategory to the general public. Well, I overstepped it all the time, but feminism had always been a touch of „men are the oppressors of the woman and we need a radical upheaval! Down with men, women to power!“ I hope you know what I mean and do not take me too seriously. 😉

Does it sound weird when I say these T-shirts make me think? The fact that these exaggerated ideas of feminists do not correspond to reality through the series have always been clear to me. But as a realistic image of a feminist, I always imagined Miranda Hobbes from SATC. She is neither radical nor male-hater, but always seemed to me to be emancipated. To much emancipated. Emancipation is good, but it always seems to me as if Miranda compulsively reject any female train in herself to exchange it for manliness. Cynicism and career inclusive. Perhaps I would now perceive her behavior differently, but that is what has stuck of six seasons, 94 episodes and two films. If it was not yet obvious enough, I’m not the biggest Miranda fan.

As little as I have in common with Miranda, I would have never described me as a feminist. I never had the idea to deal with the topic either. But these shirts now lead me to question my ideas of feminism.

Feminism ultimately means only equality, human dignity and self-determination of women as well as the end of all forms of sexism. Does equal rights and equality mean that we have to exchange our feminine features for a more masculine attitude? Can we only climb the career ladder in a suit, as our male colleagues look under the skirt?

I like to be feminine. I love to wear dresses and skirts and feeling female. Dresses, makeup and lingerie. Do I disregard the feminist ideas, because I underline my femininity and so please the men?

Is it anti-feminist to be perceived and desired by men as a woman, and, God forbid, to like it? If you answer these questions with yes, I am not a feminist and will never be.

But then I wonder if feminism should not celebrate women? We must not be ashamed of our femininity, or see it as a stain. Feminism should mean supporting women. To create equal rights and above all self-determination. A woman should neither be condemned to pursue career goals, nor want to remain at home for child-rearing.

J’ADIOR Maria Grazia Chiuri!

Her debut with the spring / summer 2017 collection for Dior was a political statement. She not only showed that fashion is so much more than just superficialities. No, she also showed that feminism can and should be very complex. The We should all be feminists shirt may be the biggest statement, but the combination with a floral tulle skirt and sneaker shows femininity in various facets. The whole collection was dominated by feminism. Feminism in the form of suits, but also in swinging dresses. Platform sneaker to transparency #freethenipple. Chiura’s message is so right!

We should all be feminists!

By letting women be the kind of women they want to be. By giving them the same liberties and rights as men. A woman should be able to decide what feminism means to her. Just because a woman emphasizes her femininity does not mean that she can not be a feminist.

Yes, we all should be feminists. But if we are, we must not condemn the women who live feminism differently than we do.

Feminism does not mean we have to wear the breeches but we can decide when and for whom we take them off.

12 Kommentare zu „We should all be feminists

  1. Sehr treffend geschrieben! Und genau den Eindruck habe ich von dem Charakter der Miranda aus SATC auch. Auf mich wirkt Feminismus oft wie das Gegenteil von Gleichberechtigung, wie das Gegenteil von gegenseitigem Respekt und dem Anerkennen der Geschlechterunterschiede.

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    1. Ich danke dir! Ja genau… eine andere Bloggerin hat mich heute morgen auf die Debatte um Emma Watson aufmerksam gemacht. Traurig, dass Frauen sich über sie aufregen obwohl sie sich wirklich für Frauenrechte einsetzt 😦 einfach mal alle so Frau sein lassen wie sie es wollen…

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  2. Ich denke es ist wie bei allen Weltanschauungen so, dass es immer auch Extreme in die eine oder andere Richtung gibt. Mir kommt es beim Feminismus oft auch so vor, als wolle man Männer quasi abschaffen, als dürfe man sich nicht fraulich fühlen und es zeigen. Ich finde Unterschiede innerhalb des Geschlechts, sowie zwischen den Geschlechtern wichtig und Wertvoll. Das macht das Leben doch erst interessant. Und wenn ich mich hübsch anziehe, weil ich es für mich will, wer sagt, dass ich nicht auch ein paar Interessierte Blicke damit auf mich ziehen darf? Ich finde auch, wir sollten alle so sein dürfen wie wir wollen. Egal ob Frau oder Mann, jedoch mit den gleichen uneingeschränkten Rechten (und dementsprechend auch Pflichten).

    Liebe Grüße
    Jacqueline

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    1. Bei den Unterschieden muss ich dir wirklich zustimmen. 🙂 ich denke es geht einfach darum Frauen (und auch Männern) Entscheidungsfreiheit zu geben. Wichtig finde ich es nur, nicht die Frauen zu verurteilen die gerne ihre Karriere hinten anstellen um für die Kinder zuhause zu bleiben. Worin jemand Erfüllung findet, ist doch egal, Hauptsache er oder sie lebt bis zu einem gewissen Grad selbstbestimmt. 🙂 ich danke dir für deinen langen und tollen Kommentar! 🙂

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  3. Du hast einen ganz klasse Schreibstil 👏 Ich muss zu geben, dass ich auch an etwas negatives denke, wenn ich an Feminismus denke. Ich vermute mal, dass das daran liegt, dass man wirklich gleich dieses extrem vor einem sieht. Ist es nicht mit allem so? Sobald es ins extreme geht, ist es eben schlecht. Und ich finde es ist gut, das große Marken darauf aufmerksam machen und die gute Seite so bessser zum Vorschein 👍
    Liebe Grüße
    Ulla

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    1. Vielen Dank Ulla! Ja, da hast du Recht! Extreme sind nie gut. Ich finde es auch toll, wenn Celebrities oder große Marken zum Nachdenken anregen, da sie einfach die entsprechende Reichweite haben. Letztendlich muss aber jeder selbst sein Urteil dazu fällen. 🙂
      Liebste Grüße!

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  4. Super interessanter Beitrag, meine Liebe! Ich persönlich verbinde mit dem Wort Feminismus ein Extrem, welches mich sehr nachdenklich stimmt. Die einen sehen es als etwas schönes, gutes und vor allem revolutionärem an.. Und die anderen denken an Frauen, die Macht haben und mit ihren Reizen nicht geizen und den Feminismus zu 100 Prozent ausleben. Finde ich ein sehr schwieriges Thema, um
    eine klare Meinung zu bilden, für mich ist es ein Extrem, welches von so manchen Frauen gelebt wird, womit ich mich aber irgendwie eher weniger identifizieren kann.. Mal sehen, wie wir es zukünftig so vorgelebt bekommen. 😉 Liebe Grüße,
    Paula 🙂

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    1. Danke für deinen langen Kommentar und dafür, dass du deine Gedanken dazu mit uns teilst! 🙂 Ich kann mich auch nicht mit dem extrem identifizieren, sowohl in die Richtung „Männer hassen“ als auch in Richtung „nur billig“. Wobei man hier die Grenzen zieht ist natürlich eine sehr persönliche Entscheidung. Ich persönlich mag es einfach gerne feminin und elegant. Wenn Weiblichkeit akzeptieren und lieben lernen als Feminismus gewertet werden kann, bin ich dabei. 😉
      Liebste Grüße 🙂

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  5. Erstmal Gratulation zu diesem Blognamen! 😉

    Der Artikel stimmt mich sehr nachdenklich. Denn diese Assoziationen, die du mit dem Feminismus verbindest haben für mich ehrlich gesagt nichts damit zu tun. Natürlich gibt es auch diese Feminist*innen, die einen dafür geißeln wollen, wenn man sich die Beine rasiert (wobei, mir ist noch keine/r untergekommen, aber es gibt ja bekanntlich nichts, was es nicht gibt), aber das hat einfach nichts mit dem Grundgedanken zu tun.
    Wie du so treffend sagst: „Indem wir Frauen, Frauen sein lassen. Indem wir ihnen die gleichen Freiheiten und Rechte geben wie Männern. Indem wir weder die Frau verurteilen, die sich die Tür aufhalten lässt, noch die, die sie schreinert oder anmontiert.“
    Feminismus bedeutet nicht, Frauen in ANDERE Rollenmodelle zu zwängen, die der arbeitenden Frau, in der Hausfrauen automatisch als schwach abgestempelt werden, zum Beispiel. Bloß nicht! Feminismus bedeutet, Freiheit zu gewähren und nicht zu verurteilen. Feminismus bedeutet, alte Muster aufzubrechen.

    Liebe Grüße 🙂

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    1. Vielen Dank du Liebe! Es freut mich sehr, dass dir mein Blogname gefällt und du ihn scheinbar verstehst. 🙂 Vielen Dank auch, dass du deine Meinung mit uns teilst und mir diesen langen Kommentar hinterlässt. Ich finde es gut, dass du scheinbar nie diese Assoziationen mit Feminismus hast, aber soweit ich das beurteilen kann, ist das ein sehr weit verbreitetes Bild in der Gesellschaft. Besonders bei Männern habe ich schon oft Gedanken in dieser Richtung gehört. Aber meine Meinung zu dem Begriff hat sich geändert und ich denke es sollte einfach darum gehen Frauen zu bestärken, egal welchen (Karriere-) Weg sie wählen. Es ist schön, dass du diese Ansicht teilst! Danke für diesen tollen Kommentar! 🙂 Falls du daran Interesse hast, würde es mich sehr freuen wenn du an meinem Blog-Gewinnspiel teilnimmst. 🙂
      Liebe Grüße und einen wunderbaren Tag 🙂

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