Art of Fashion – Couture

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Kunst ist subjektiv. Wer auch immer diesen Satz gesagt hat, er hatte Recht. Was ist Kunst und wo hat sie ihr Ende? Und welche Kategorien umfasst Kunst? Malerei, Skulpturen, Fotografie, Musik…? Ist Mode Kunst? Dies ist mein Versuch, der Mode einen Platz in der Kunst zuzuschreiben.

Ist über Kunst die Rede, geht es meistens um die Schönen Künste. Klassischer Weise umfassen sie die bildenden Künste wie Malerei, Architektur und Bildhauerei, Musik, Literatur und die Darstellende Kunst. Der technische Fortschritt hat den Umfang der Kunst allerdings in ganz neue Richtungen erweitert. Fotografie, aber auch die neuen Medien wie Hörfunk, Fernsehen und Werbung können als Kunst eingeordnet werden. Die ursprüngliche Einteilung verlor somit spätestens in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Lassen sich also ganze Branchen als Künstler definieren oder ist es der Urheber eines Werkes, der es zu Kunst macht?

Ich bin kein Kunstexperte, ich würde sagen, ich verstehe nicht mal etwas von Kunst. Aber ich glaube etwas von Mode zu verstehen. Ich sehe Mode als Kunst. In den vergangenen 100 Jahren hat es immer wieder Überschneidungen von Mode und Kunst gegeben. Kooperationen zwischen Künstlern und Modemachern. Zeitschriften nennen es eine Affäre. Kurz nach 1900 entwarf der belgische Jugendstilkünstler Henry van de Velde für seine Frau ein Kleid ohne einengendes Korsett. Christian Dior, einer der größten Couturiere aller Zeit, entwarf nach dem Krieg den New Look. Ursprünglich war er jedoch Kunsthändler. Yves Saint Laurent, der bei ihm tätig war bis er sein eigenes Label gründete, zeigte 1965 erstmals eine Kollektion von Kleidern, die an das Design des niederländischen Malers Piet Mondrian angelehnt waren. Weitere Künster und weitere Modeschöpfer. Aktuell präsentiert das Haus Louis Vuitton eine Handtaschen Kollektion in Kooperation mit Jeff Koons. Reproduktionen der großen Meister Da Vinci, Van Gogh, Rubens, Titian und Fragonard zieren zukünftig den Arm wohlhabender Damen. Es ist ein ständiger Flirt zwischen Kunst und Mode, mit stetig zunehmender Annäherung.

High Fashion is art the art of fashion Haute Couture Mode Kunst

Der Akt des Verschmelzens von Mode und Kunst ist offensichtlich, doch dass Mode ebenfalls Kunst ist, wird regelmäßig abgestritten.

Aber darf man Designern ihren Status als Künstler nehmen nur weil ihr Medium Stoff und nicht Farben oder Ton ist? Auch, dass Mode allgemein ein Handwerk ist, stellt für mich kein Argument dar. Fotografie, Malerei und Bildhauerei gelten ebenfalls als Handwerksberufe und dennoch bringen sie immer wieder Künstler hervor. Berufung statt Beruf. Die Kommerzialisierung in der Modeindustrie stellt für mich auch kein richtiges Argument dar. Das trifft auf die Mode des Massenmarktes zu, genauso aber auf zeitgenössische Künstler, die ihre Kunst an dieses Konzept anpassen. Kunst ist inzwischen populär und über die entsprechenden Kanäle für die Massen zugänglich. Gerade in den als Kunst anerkannten Bereichen gibt es jedoch immer wieder Kritiker wenn die Mode künstlerisch anmutet. Aber auch hier argumentieren viele dagegen wie zum Beispiel der Maler Francis Bacon oder Andy Warhol.

„Mode ist die einzige Möglichkeit, Kunst in lebenden Formen und im sozialen Miteinander umzusetzen.“ – Francis Bacon

“ Ich glaube, die Art, wie sich die Leute heute kleiden, ist eine Form künstlerischen Ausdrucks. Saint Laurent zum Beispiel hat große Kunst geschaffen. Die Kunst besteht in der Zusammensetzung des Outfits. Oder Jean Paul Gaultier. Was er macht, ist wirklich Kunst.“ – Andy Warhol

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Doch die Designer selbst sind geteilter Meinung, ob sich die Mode Kunst nennen darf. Karl Lagerfeld erklärt kategorisch, dass er Modeschöpfer und nicht Künstler sei. Dabei verwandelte er den Grand Palais für die Frühjahr-Show 2013 mit selbst entworfenen Kunstwerken in eine Kunstgalerie. Alexander McQueen ließ Kunst und Mode regelrecht verschmelzen, nicht nur mit seinen Kreationen. Seine Präsentationen fielen nicht in die Kategorie klassische Laufstegshows sondern waren Inszenierungen. Faszinierend schön, schockierend und provokativ und im Nachhinein von vielen als Performance-Kunst angesehen. Designerin Elsa Schiaparelli fällt die Einordnung leicht, sie versteht ihre Mode als Kunst. Auch gibt es immer mehr Kunstmuseen, die Kleidung ausstellen und die Designer somit zum Künstler erheben. Mode ist, genau wie ein Selbstportrait, Selbstdarstellung und spiegelt den kulturellen Zeitgeist wider.

Vor einiger Zeit sagte die niederländische Trendforscherin Li Edelkoort noch das Ende der Mode voraus. Kommerz und der ständige Zwang neue It-Pieces zu schaffen würden die Kreativität auslöschen. Die Kleider seien nur noch ein Abklatsch von Trends aus der Vergangenheit und die Mode habe keine künstlerische Botschaft mehr. Doch dieses Leid gilt nur für Prêt-à-porter. So wenden sich einige Modeschöpfer wie Viktor und Rolf ganz von ihr ab und machen nur noch Haute Couture. Das Gegenteil von Massentauglichkeit. Bei ihren extravagnten Entwürfen kann man nur noch von Kunst sprechen und auch das Designer-Duo selber sagt:

„Die Skulptur wird menschlich und der Mensch wird zur Skulptur.“

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Ob Mode in Lagerfelds Augen nun Kunst ist oder nicht, bleibt für mich unklar. Tatsache ist, Chanel und Fendi sind offizielle Mitglieder der Chambre Syndicale de la Haute Couture, der französische Modeverband, der die strengen Richtlinien der Haute Couture festlegt. Es gilt die hohe Kunst der Schneiderei zu wahren. Haute Couture wird im alltäglichen Sprachgebrauch nahezu synonym mit untragbarer Mode verwendet, das Pendant zu Prêt-à-porter. Dabei darf nur eine kleine elitäre Einheit an Designern ihre Mode als Haute Couture bezeichnen. Kriterien dafür sind die Mitgliedschaft oder eingeladene Mitglieder der Chambre Syndicale de la Haute Couture. Die Kreationen müssen zweimal im Jahr in Paris präsentiert werden und mindestens 35 unterschiedliche Modelle, alles handgefertigte Unikate, enthalten. Außerdem dürfen für die maßgeschneiderten Modelle nur die exklusivsten und hochwertigsten Materialien aufwändig verarbeitet werde. Diese und andere Voraussetzungen werden jede Saison aufs Neue überprüft. Haute Couture ist die Verbindung von Design und Kunst.

Entscheidend ist nicht ob ein Objekt geschaffen wurde, um als Kunst angesehen zu werden, sondern ob sein Designer den Titel „Künstler“ verdient. Die Perfektion einer Haute Couture Robe und die Arbeit eines Couturiers ist für mich mehr als nur Handwerkskunst. Ich würdige sie als Kunst – unabhängig davon ob ihr Schöpfer als Künstler angesehen werden möchte oder nicht.

Was empfindet ihr als Kunst und teilt ihr meine Ansicht?

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Art is subjective. Whoever said this sentence, he is right. What is art and where does it end? And what categories does art comprise? Painting, sculptures, photography, music …? Is fashion art? This is my attempt to attribute fashion to a place in art.

If you talk about art, it is mostly about the classic arts. They comprise the visual arts such as painting, architecture and sculpture, music, literature and the performing arts. However, technical progress has expanded the scope of art in entirely new directions. Photography, as well as the new media such as radio, television and advertising, can be classified as art. The original division thus lost importance at the latest in the last decades of the 20th century. Can a whole industry be defined as art or is it the author of a work that makes it art?

I’m not an expert in art, I’d say I do not even understand art. But I think to know something about fashion. I see fashion as art. Over the past 100 years there have been overlaps of fashion and art over and over again. Cooperations between artists and designers. Magazines call it an affair. Shortly after 1900, the Belgian art nouveau artist Henry van de Velde designed a gown for his wife without any corset. Christian Dior, one of the greatest couturiers of all time, designed the New Look after war. Originally, however, he was an art dealer. Yves Saint Laurent, who worked for him until he founded his own label, showed for the first time in 1965 a collection of clothes based on the design of the Dutch painter Piet Mondrian. Other artists and other fashion designers. Louis Vuitton is currently presenting a handbag collection in cooperation with Jeff Koons. Reproductions of the great masters Da Vinci, Van Gogh, Rubens, Titian and Fragonard will grace the arm of well-to-do ladies in the future. It is a constant flirt between art and fashion, with ever-increasing convergence.

The act of merging fashion and art is obvious, but that fashion itself is art, is regularly denied.

But is it permissible to take designers status as an artist only because their medium is cloth and not colors? The fact that fashion is generally a trade is not an argument for me. Photography, painting and sculpture are also regarded as crafts, and yet they always bring forth artists. Vocation instead of profession. Commercialization in the fashion industry is not a real argument for me. This applies to the fashion of the mass market, but also to contemporary artists who adapt their art to this concept. Art is now popular and accessible to the masses through the appropriate channels. Especially in the areas recognized as art, however, there are always critics when the fashion gets artistic. But there are also many who argue for fashion as art like the painter Francis Bacon or Andy Warhol.

„Fashion is only the attempt to realize art in living forms and social intercourse.“ –  Francis Bacon

„I think the way people dress today is a form of artistic expression. Saint Laurent, for example, has made great art. Art lies in the way the whole outfit is put together. Take Jean Paul Gaultier. What he does is really art.“ – Andy Warhol

But the designers themselves are divided on whether fashion can name itself art. Karl Lagerfeld explains categorically that he is a fashion designer and not an artist. But he transformed the Grand Palais for the spring show 2013 with self-designed works of art into an art gallery. Alexander McQueen let art and fashion melt together, not just with his creations. His presentations were not in the category of classic catwalk shows, but were productions. Fascinatingly beautiful, shocking and provocative and in hindsight by many regarded as a performance art. Designer Elsa Schiaparelli makes the arrangement easy, she understands her fashion as art. There are also more and more art museums, which exhibit clothing and thus raise the designer to an artist. Fashion is, just like a self-portrait, self-presentation and reflects the cultural spirit of the time.

Some time ago the Dutch trend researcher Li Edelkoort announced the end of fashion. Commerce and the constant compulsion to create new it-pieces would extinguish creativity. The dresses were only a revelation of trends from the past and fashion no longer had an artistic message. But this suffering only applies to ready-to-wear. So some fashion designers like Viktor and Rolf turn away from it and make only haute couture. The opposite of mass appeal. With their extravagant designs one can only speak of art and also the designer duo says:

„Sculpture becomes human and man becomes sculpture.“

Whether fashion in Lagerfeld’s eyes is art or not, remains unclear to me. The fact is, Chanel and Fendi are official members of the Chambre Syndicale de la Haute Couture, the French fashion association, which sets the strict rules of haute couture. The high art of tailoring must be preserved. Haute Couture is used in everyday language almost synonymous with intolerable fashion, the counterpart to ready-to-wear. Only a small elite unit of designers can designate their fashion as haute couture. Criteria for this are the membership or invited members of the Chambre Syndicale de la Haute Couture. The creations must be presented twice a year in Paris and include at least 35 different models, all handmade unique pieces. In addition, only the most exclusive and high-quality materials can be processed to the tailor-made models. These and other conditions are reviewed every season. Haute Couture is the combination of design and art.

The decisive factor is not whether an object was created to be regarded as art, but whether its designer deserved the title „artist“. The perfection of a haute couture robe and the work of a couturier is for me more than just craftsmanship. I value it as art, regardless of whether its creator wants to be viewed as an artist or not.

What do you think about it? Is Fashion art?

5 Kommentare zu „Art of Fashion – Couture

  1. Das ist ein sehr interessantes Thema, liebe Alexandra. Ob die Mode nun zur Kunst erhoben werden kann oder sollte, vermag ich nicht zu beurteilen, das können andere viel besser. Ich mag die Ansätze, die Versuche Mode als Kunst zu sehen, als etwas Einzigartiges, Kreatives mit eigener Handschrift, die den Zeitgeist widerspiegelt. Es gab schon einige Museen, die Mode zur Kunst in wunderbaren Ausstellungen erhoben haben. Das V&A in London ist da ganz vorne mit dabei, auch das Haus der Kunst in München hatte 2009 der japanischen Mode viel Raum gegeben oder die Kunsthalle München, die im letzten Jahr eine äußerst erfolgreiche Jean Paul Gaultier Ausstellung präsentierte. Hin und wieder streift die Mode die Kunsthäuser, es findet also eine Auseinandersetzung damit statt – das finde ich wichtig. In Hamburg hatte ich zuletzt einen Berührungspunkt, der mich sehr angesprochen hat; die Fotografin Misty Pollen hat auf Eindrucksvolle Weise die Mode zur Kunst erhoben, mit Hilfe der Fotografie – schau mal: https://unterwegsinsachenkunst.de/egon-schiele/ Herzlichen Gruß aus München, Daniela

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    1. Vielen, vielen Dank für deinen tollen Kommentar! Ich denke auch, das ist wirklich schwer zu beurteilen und selbst Künstler und Designer sind sich uneinig über die Einteilung. Ich persönlich würde aber zumindest Couture als Kunst werten. 🙂 Von der Gaultier Ausstellung habe ich leider zu spät erfahren. Die anderen klingen auch total spannend! Ich würde auch wahnsinnig gerne mal ins Metropolitan Museum of Art. Das Costume Institute muss auch wunderschön sein! Deinen Beitrag werde ich mir sofort durchlesen! Du darfst mich auch in Zukunft gerne auf so spannende Veranstaltungen hinweisen. 🙂 Viele liebe Grüße aus Göttingen!

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    1. Danke liebe Jessica! Also siehst du die Inszenierung der Mode als Kunst und die Kleider selbst als einen Teil des Gesamtkunstwerks? Diese Sichtweise kann ich auch nachvollziehen. Gerade die Shows von Alexander McQueen waren sehr kunstvoll!
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende! 🙂

      Gefällt 1 Person

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